Gemeindepflegehaus Rechberghausen

 

Aktuelles

Aktuelles

„Willkommen zum Drahtseilakt“:

Pfarrer Rainer Hinzen offiziell als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten eingesetzt – Nach langer Suche „die richtige Persönlichkeit gefunden“

„Willkommen zum Drahtseilakt“:
















Vertreter des Alexander-Stifts und des Bessarabiendeutschen Vereins bei der Amtseinführung von Pfarrer Rainer Hinzen.
v.l.n.r. Ingo Rüdiger Isert, Günther Vossler, Pfarrer Rainer Hinzen, Pastor Arnulf Baumann, Werner Schäfer

Kernen-Stetten.
Woran erkennt man, dass ein neuer Vorstandsvorsitzender willkommen ist? An der Zahl der Grußworte, der Zahl der Gäste, ihrer Ausdauer und Aufmerksamkeit? Welchen Maßstab man auch anlegt: Die Diakonie Stetten hat Rainer Hinzen mit offenen Armen aufgenommen. Am Donnerstag, 14. Mai war die feierliche Amtseinsetzung des neuen Vorstandsvorsitzenden und theologischen Vorstands.

Fast zwei Jahre hat die Diakonie Stetten gebraucht, um einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu finden. Schon von daher war die Freude groß, dass das jetzt gelungen ist. Aber die Beteiligten sind auch überzeugt, dass Hinzen der Richtige ist: „In absoluter Einmütigkeit“ sei der 50-jährige Pfarrer, der zuvor 14 Jahre lang Vorstand der Beschützenden Werkstätte Heilbronn war, vom Verwaltungsrat gewählt worden, erklärte dessen Vorsitzender Dr. Jan Wittig. Er betonte, dass Hinzen schon am Anfang ganz oben auf seinem Wunschzettel gestanden habe.

Doch der Theologe und zweifache Familienvater musste zunächst überredet werden, dem Ruf nach Stetten zu folgen. Das lag wohl nicht nur am notwendigen Umzug, der nun auch auf seine Frau und die beiden Töchter zukommt.

Dass die neue Aufgabe eine Herausforderung und ein Balanceakt ist, klang in vielen Redebeiträgen an. Hinzen übernimmt mit der Diakonie Stetten eine große Einrichtung mit 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und fast 7000 Menschen, die in verschiedenen Arbeitsbereichen der Unternehmensgruppe Hilfen erfahren. Er tut das in einer Zeit, in der Sozialunternehmen mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, in der die Finanzkrise den ohnehin steigenden Kostendruck noch verschärft – und soll dabei dem Anspruch gerecht werden, dass Menschlichkeit und Würde an erster Stelle stehen.

„Kann man sich auf eine solche Aufgabe freuen?“, fragte Prälat Hans-Dieter Wille im Gottesdienst zur Amtseinführung. Dekan Eberhard Gröner vom evangelischen Kirchenbezirk Waiblingen sprach vom akrobatischen Akt auf einem Drahtseil: „Ihnen, Herr Hinzen, wird zugetraut, sich allein auf christliche Hoffnung hin auf ein Seil zu wagen.“

Trotz alledem versicherte der neue Mann an der Spitze: „Ich freue mich, dass ich jetzt in Stetten angekommen bin.“ Auf neun Arbeitstage mit „tollen Menschen“ und schönen Begegnungen konnte er bereits zurückblicken.

Und die Diakonie Stetten ist nicht irgendein Unternehmen: Sie habe sich „nicht nur hinsichtlich des Angebots und der Platzzahlen, sondern auch konzeptionell zu einer der führenden Einrichtungen in Baden-Württemberg entwickelt“, sagte Ministerialdirektor Thomas Halder. Landrat Johannes Fuchs bezeichnete sie als „Maßstab, aber auch Motor vorbildlicher Fürsorge und Förderung von Menschen mit Behinderungen“ und Roland Klinger, Direktor des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales, sprach von einem „Leuchtturm“.

Der neue „Leuchtturmwärter“ Rainer Hinzen sei einer, der bereit ist, neue Wege zu gehen, der beharrlich ein Ziel verfolgen und dennoch Kompromisse schließen könne, sagte Klinger. Er vereine die Fähigkeiten, die die Diakonie an ihrer Spitze brauche, meinte Helmut Beck als Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg: wirtschaftliche Weitsicht, fachliche Übersicht, visionärer Gestaltungskraft und die Gabe, dies alles theologisch zu reflektieren. Klarheit in der Analyse, klare Sprache und „ganz hohe persönliche Integrität“ wurden dem Pfarrer ebenfalls bescheinigt.

So viel Lob kann zur Bürde werden. Doch die Diakonie Stetten brauche „keine Helden, keine Überflieger und Unfehlbarkeit ausstrahlenden Alleskönner“, unterstrich Prälat Wille. Der Gedanke, dass jeder einzelne Mensch selbst auf Hilfe angewiesen sei, sei in ihrem Leitbild zentral verankert: „Nur wer sich als starker und gesunder Mensch zu seiner Hilfsbedürftigkeit bekennt, kann den behinderten Menschen auf Augenhöhe begegnen.“

Werte wie Demut, Freundlichkeit und Geduld hat Hinzen auch im Kolosserbrief gefunden, auf den er seine Predigt aufbaute. Menschliche Überzeugungen und Grundhaltungen seien für Paulus wichtiger gewesen als Regeln und Vorschriften, erinnerte er und versprach: „Ich möchte die Diakonie Stetten weiterbauen in dem Geist, auf dessen Fundament sie erbaut wurde.“

Rund 300 geladene Gäste kamen zur Amtseinführung, die mit einem festlichen Gottesdienst begann und dann beim Empfang im „La Salle am Schloss“ weiterging. Trotz des immensen Programms mit zahlreichen Grußworten blieb die Veranstaltung lebendig und kurzweilig. Das war den Rednern zu verdanken, die tatsächlich knapp und prägnant ihre fünf Minuten Sprechzeit einhielten. Es lag auch an der beschwingten Musik des Gloria Brass Quintetts, vor allem aber an den berührenden Augenblicken, die den Geist der Diakonie Stetten atmeten: beim gemeinsamen Kanon mit dem Bewohner-Chörle oder als einer der Bewohner aufstand und spontan das Brass Quintett dirigierte. Da spürten auch die Gäste: Ein gewöhnlicher Arbeitsplatz ist die Diakonie Stetten bestimmt nicht.

Text: Karin Ait Atmane
Foto: Thomas Wagner

geschrieben von har am 19.05.2009 um 11:11 Uhr.


[zur Übersicht]

[ nach oben ]     [ Druckansicht ]

 


Dem Altwerden ein Zuhause geben

Alexander-Stift - Wohnen und Pflegen