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Auf gemeinsamem Weg - Diakonie Stetten und Alexander-Stift

Zusammen wollen sie die Altenhilfe auf die Zukunft vorbereiten

Auf gemeinsamem Weg - Diakonie Stetten und Alexander-Stift















„at tempto – packen Sie’s an“, rief Landrat Johannes Fuchs den verbündeten Einrichtungen zu. Von links: Dr. Jan Wittig, Vorsitzender Verwaltungsrat Diakonie Stetten; Landrat Johannes Fuchs; Heidrose Maaß, Vorständin Diakonie Stetten; Günther Vossler, Vorstand Alexander-Stift; Jochen Müller, Bürgermeister Korb; Andreas Hesky, Oberbürgermeister Waiblingen und Hanns-Lothar Förschler, stellv. Vorstandsvorsitzender Diakonie Stetten.


Die Diakonie Stetten in Kernen und das Alexander-Stift mit Sitz in Neufürstenhütte werden eins. Die beiden großen diakonischen Träger im Rems-Murr-Kreis schließen sich zusammen: Künftig wird es eine gGmbH Alexander-Stift unter dem Dach und der Führung der Diakonie Stetten geben. Beim Festabend mit Gottesdienst im Otto-Mühlschlegel-Haus in Endersbach feierten Mitarbeiter und Bewohner beider Seiten die neue Konstellation, die sie als große Chance sehen. Dem Zusammenschluss war eine jahrelange, behutsame und wohlüberlegte Annäherung vorangegangen.
Bei Zusammenschlüssen keimt immer der Verdacht, dass ein Starker einen Schwachen schluckt. Dem sei in diesem Fall nicht so, betonten die Redner einmütig immer wieder: Zwei erfolgreiche Träger schlössen sich zusammen, weil sie ausgeprägte Gemeinsamkeiten in ihrem Menschenbild und ihrem diakonischen Ansatz sähen. Sie wollten gemeinsam die Altenhilfe weiterentwickeln und an ihrer Zukunftsfähigkeit bauen.
„Es war mein Wunsch in den letzten Jahren, dass wir unter das Dach der Diakonie Stetten kommen“, sagte Günther Vossler, bisheriger Vorstand des Alexander-Stifts und künftiger Geschäftsführer der gleichnamigen gGmbH. Er hat in den vergangenen 15 Jahren das Alexander-Stift weiterentwickelt: Um die Pflege alter Menschen an ihrem Wohnort zu ermöglichen, wurde ein Gemeindepflegehaus nach dem anderen eröffnet, mittlerweile sind es 13, vier weitere Häuser sind in Planung oder bereits im Bau. Damit habe das Stift eine Größe erreicht, die von einem Verein kaum mehr zu steuern sei, stellte Ingo Rüdiger Isert, Bundesvorsitzender des Bessarabiendeutschen Vereins, in dem das Alexander-Stift seine Wurzeln hat, fest. Der Verein begrüße es sehr, das Stift in Hände zu übergeben, „die große Erfahrung in der Arbeit mit Menschen haben und auch eine wirtschaftliche Kompetenz besitzen.“ Ähnlich formulierte es Pastor Arnulf Baumann vom Alexander-Stift in der Predigt zum Festgottesdienst: „Wir werden die schwere Last der Verantwortung nicht mehr allein zu tragen haben.“
Die Diakonie Stetten passt mit ihren Diensten für Senioren, die bisher fünf Einrichtungen umfassen, zu diesem Konzept. Aber auch ihre Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit verschiedenen Behinderungen sollen einfließen. „In räumlicher Hinsicht passen die Träger hervorragend zusammen, fachlich finden wir einander ergänzende und sich befruchtende Konzepte vor“, fasste Dr. Jan Wittig, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Diakonie Stetten, zusammen. „Von dieser Bündelung versprechen wir uns auf beiden Seiten große Vorteile, vor allem im Sinne eines breiten Angebots für ältere Menschen“, erklärte Hanns-Lothar Förschler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten. Das gelte besonders für den Rems-Murr-Kreis, aber auch für benachbarte Kreise. Landrat Johannes Fuchs sprach von einem verantwortungsbewussten, konsequenten und zukunftsgerichteten Weg. Jürgen Oswald, Oberbürgermeister von Weinstadt, lobte das menschliche Klima in den Einrichtungen des Alexander-Stifts und der Diakonie Stetten, die er besucht hatte: „Was mich fasziniert ist die persönliche Atmosphäre, die Sie in diese Häuser zaubern.“
Das Klima stimmte aber auch bei der vorsichtigen Annäherung der beiden Träger über fast drei Jahre hinweg. Sie sei von Respekt getragen gewesen und man habe dabei einen „Gleichklang in den Zielen und Motiven“ gefunden, sagte Förschler. Basis waren die christlichen und diakonischen Überzeugungen – so begann der Festabend mit einem gemeinsam gefeierten Gottesdienst, an dem auch zahlreiche Bewohner, Heimbeiräte und Mitarbeiter aus beiden Einrichtungen teilnahmen.
Günther Vossler hatte den Zusammenschluss aktiv angestrebt und schon vor einiger Zeit Förschler für den Aufsichtsrat des Alexander-Stifts gewonnen. Ganz nebenbei entdeckten die Gesprächspartner auch eine alte Verbindung, über die sie sich freuten: So bekam die damalige „Anstalt Stetten“ Mitte des 19.Jahrhunderts, als in Württemberg Hungersnot herrschte, Spenden aus bessarabiendeutschen Gemeinden. Für die Zukunft hoffe er, „dass die Zusammenarbeit beider Einrichtungen Früchte trägt“ und dass das Gewonnene „den pflegebedürftigen Bewohnern zugute kommt“, sagte Vossler.
Formal wurde der Zusammenschluss bereits vollzogen: Das Alexander-Stift hat seine Rechtsform vom Verein zu einer gemeinnützigen GmbH geändert, deren Geschäftsführer Vossler ist. 90 Prozent der Gesellschaftsanteile hält die Diakonie Stetten, zehn Prozent die Stiftung Bessarabien. Damit bleibt die Verbindung zum Bessarabiendeutschen Verein erhalten, dieser will sich aber künftig stärker der Traditionspflege widmen. Längerfristig sollen auch die Dienste für Senioren der Diakonie Stetten unter dem Namen Alexander-Stift laufen. Aber das dürfe sich langsam entwickeln, erklärten die Verantwortlichen, die sich Zeit nehmen wollen, um beides zusammenwachsen zu lassen und Details zu regeln.

Text: Karin Ait Atmane
Foto: Birgit Hardtke

geschrieben von har am 09.06.2008 um 13:56 Uhr.


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