Aktuelles
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Wahrnehmen und Motivieren Hochbetagter
Schulung Ehrenamtlicher des Alexander-Stifts in 10-Minuten-Aktivierung
Ute Schmidt-Hackenberg ist vom Fach und das schon seit langem. 1991 erhielt sie einen Förderpreis des baden-württembergischen Sozialministeriums für ihre 10-Minuten-Aktivierung. Und noch heute ist diese so brandaktuell wie damals. Davon konnten sich Ehrenamtliche aus allen Häusern des Alexander-Stifts in einem Fortbildungsseminar selbst überzeugen.
Für die Aktivierung demenzerkrankter Bewohner ist die 10-Minuten-Aktivierung ein erprobter und ohne großen Aufwand gangbarer Weg. Die Aktivierung nutzt die noch lange Zeit im Langzeitgedächtnis abrufbaren Restfähigkeiten. Ziel ist, dass der Erkrankte einen Zugang zu seinen Erinnerungs-Inseln findet.
„Wenn es nicht gelingt, Körper, Seele und Geist gleichwertig zu sehen und zu versorgen, „läuft“ nichts!“, ist Ute Schmidt-Hackenberg überzeugt. Lange Jahre arbeitete sie als Aktivierungstherapeutin mit desorientierten und psychisch kranken alten Menschen. Wirkte als Dozentin für die Fächergruppe Aktivierung und Rehabilitation und noch heute gibt sie europaweit Seminare zu diesem Themenbereich. Kurzerzhand verdeutlicht sie die Zusammenhänge anhand eines Modells eines altmodischen Uhrwerks bestehend aus drei Zahnrädchen. Das kleinste Rädchen erhält einen Impuls und beginnt sich zu drehen. Seine Zähne fügen sich nahtlos in die Zwischenräume des zweiten, mittleren Zahnrades. Dieses nimmt Schwung auf, dreht sich selbst und treibt mit seiner Rotation das größte Zahnrad an. Wenn an keinem Rädchen Störungen durch fehlende Zähne oder ungenaue Zwischenräume auftreten, wird das gute alte Stück seinen Dienst tun. Die Uhr „geht“. „Ich wage diesen Vergleich, wohl wissend, dass jeder Vergleich hinkt, dann stelle ich mir das Zusammenwirken von Körper, Seele und Geist des Menschen ganz ähnlich vor“, so Schmidt-Hackenberg weiter. „Und habe ich einen dementiell erkrankten alten Menschen vor Augen – mit ‚ungenauem Zwischenraum und fehlenden Zähnchen’ – dann dürfte das Bild noch plastischer werden.“
Nur wenn der Körper (kleines Zahnrad) optimal versorgt ist, wenn medizinische Betreuung, altersgerechte Ernährung und genügend Flüssigkeit gewährleistet sind, wird dieses Zahnrädchen Leben zeigen. Auch die Seele (mittleres Zahnrad) hat Hunger, braucht Pflege und freundliche Versorgung. Freude und Interesse am täglichen Leben, an der Umwelt und der eigenen Person zeigen sich, wenn schöne Dinge, erbauliches Erleben, Freude bringende Gespräche und Kontakte das Selbstwertgefühl bestätigen und bestärken. Es ergibt sich dann von selbst, dass so viel Schwung letztendlich auch das größte Rädchen (der Geist) in Bewegung kommt. Langsam, ganz langsam wird es sich drehen, soweit seine Kraft reicht. Und doch der Geist kommt wieder in Bewegung. Oft bedarf es nur eines kleinen Rucks. Ein kurzer Moment reicht, so wie in einer Nebelbank plötzlich für einen Augenblick klare Sicht herrscht. Jeder hat das schon erlebt, plötzlich kommt von einem demenzerkrankten alten Menschen eine klare völlig richtige Antwort. Das Erstaunen ist groß, die Freude dauert nicht lange – die Nebelwand schließt sich wieder. Die Suche nach dem richtigen Weg beginnt erneut.
Und hier setzt die Idee der 10-Minuten-Aktivierung an. Nämlich Bewohnern, insbesondere dementiell erkrankten, den passenden Schlüssel zu reichen, damit sie die Schatztruhe ihrer Erinnerungen öffnen können. Schöne, im Langzeitgedächtnis verschollene Erlebnisse können nicht über das Wort oder das Gespräch allein abgerufen oder hervorgelockt werden. Benötigt wird ein Türöffner und der passt um so besser, wenn er auch fühlbar, greifbar, spürbar in die Hand des Dementen gelegt wird. Einfühlungsvermögen, etwas Geduld, einige Alltagsgegenstände, mehr braucht man zur Umsetzung nicht. „Der Aufwand ist gering – die Wirkung faszinierend“, so Ute Schmidt-Hackenberg ermutigend.
geschrieben von Birgit Hardtke am 24.07.2007 um 11:02 Uhr.
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