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Vortrag/ Dr. Peter Messmer, Experte im Sozialministerium, im Alexander-Stift

Wir werden älter und dadurch professionelle Pflege immer wichtiger

Vortrag/ Dr. Peter Messmer, Experte im Sozialministerium, im Alexander-Stift



















Noch nie lag die Pflegeleistung von Angehörigen älterer Menschen so hoch wie heute. Doch die Familien stoßen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Professionelle Hilfen, insbesondere die Betreuung in Heimen, bekommt daher eine immer größere Bedeutung, so Dr. Peter Messmer beim Fachvortrag im Alexander-Stift.
Das Gute zuerst: „Baden-Württemberger leben länger und sind weniger pflegebedürftig.“ Im Bundesvergleich hat Baden-Württemberg mit Abstand die geringste Pflegequote. Nach wie vor werden die meisten Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt. Rund 70.000 Menschen leben in Heimen. Zwei Drittel davon sind dementiell erkrankt, Tendenz steigend. Vor allem die Zahl der Hochaltrigen nimmt zu und mit ihnen auch der durchschnittliche Schweregrad der Pflegebedürftigkeit.
„Es nützt jedoch nichts, die Alterung der Gesellschaft ständig als Katastrophenszenario darzustellen. Aber wir müssen uns der Herausforderung stellen. Das wird eine der größten Herausforderungen im Land, den Kreisen und in den Kommunen werden“, sagte Dr. Peter Messmer vom Referat Altenhilfe und Pflege im baden-württembergischen Sozialministerium in seinem Fachvortrag beim Jahresfest des Alexander-Stifts. Dabei gehe der Trend eindeutig in Richtung professionelle Hilfe. Denn mit der Zunahme der Pflegebedürftigkeit wird es für Angehörige zusehends schwieriger, diese Aufgaben selbst leisten zu können.
„Derzeit sind Rentner WGs groß in der Presse. Diese Wohnform eignet sich nur für einen geringe Zahl. Brisant aber ist, dass dadurch der stationäre Bereich ins Hintertreffen gerät. Wobei der Schwerpunkt jedoch der stationäre Bereich in Zukunft sein wird, um Lebensqualität zu verbessern“, betonte Messmer. Pflegeheime würden, so Messmer weiter, sich zunehmend zu Servicezentren weiterentwickeln wo stationär, ambulant, betreutes Wohnen, Begegnungsstätten, mehr Anbindung an das Gemeinwesen sowie Bürgerschaftliches Engagement wie auch eine Binnendifferenzierung in Form von Wohngruppen und Hausgemeinschaften miteinander verknüpft würden.
Die anschließende Diskussion war geprägt von regem Interesse und zeugte von großem Sachverstand im Publikum. „Ich beobachte die Entwicklungen nun schon seit über 30 Jahren und stelle fest, dass sowohl Medien wie Politik in ihrer Diskussion sehr weit weg von der Wirklichkeit sind“, bemängelte Pastor i.R. Arnulf Baumann. In der öffentlichen Diskussion werde der ambulante Weg stets favorisiert, Heime hingegen, so Baumann weiter, würden stets mit Tod und Sterben in Verbindung gebracht. Diese Kommunikationsweise provoziere Ängste. Dem pflichtete Dr. Peter Messmer bei. Rund 60 Prozent versterben im Krankenhaus und nur 25 Prozent im Heim. „Die Heime erbringen hier eine sehr wertvolle Leistung, die aber leider draußen nicht wahrgenommen wird. Ich setze stark auf offene Heime und jeder ist gut beraten, das Bürgerschaftliche Engagement auszubauen“, lautete sein Rat. „Ich möchte Sie aber beglückwünschen. Sie liegen mit ihren Häusern voll im Trend“, so Messmer zu Vorstand Günther Vossler.

geschrieben von Birgit Hardtke am 21.06.2007 um 11:37 Uhr.


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